Kreatives Team
Bulettenballade
Das Telefon läutet, bitte sechs Karten.
Notiert.Auf Wieders... Halt! Bitte noch warten.
Ich möchte, wenn möglich und wenn Sie noch hätten,
für den Heimathausabend noch sechs Buletten.
Marie-Luises Hackbällchen sind der neueste Hit,
manche essen sie gleich, andere nehmen sie mit.
Schon am Tag vor der langen Nacht
kauft sie Hackfleisch, must die Zwiebeln,
würzt mit Salz, Pfeffer, Paprika ganz penibel,
wiegt apothekengenau, und alles handgemacht,
schön rund zu Hauf, appetitlich in der Wanne.
Geheizt wird der Ofen, die Pfanne erhitzt,
gebraten, gedreht, gewendet, geschwitzt,
einhundert fertig mit Hilfe des Mannes.
Wie die Buletten duften, mit Senf dazu,
bricht sogar der Vegetarier striktes Tabu.
So geht es seit Monaten und Jahren,
immer fragt man nach den wunderbaren,
sogar aus der Ferne, bestellt man gerne:
wenn Sie noch hätten
8 von Marie-Luises Buletten.
Ja, es gab deswegen schon Streit in manch einer Ehe:
Die Frau sagt zum Mann:
"Wenn Du die kaufst
und auch gut verdaust,
schläft Du nicht in meiner Nähe.
Wenn Du atmest ein und aus,
riecht's in unserem ganzen Haus.
Darum rühr' sie nicht an!"
Der Mann dreht sich um, ein erbärmlicher Wicht.
Die Frau hat gesprochen, er übt Verzicht.
Doch heimlich in später Nacht
hat er sich davongemacht,
steht an der Theke: "Ein Bier und ich hätte
noch gerne eine wunderbare, kulinarische Bulette."
"Ausverkauft!", doch Heinz findet in einer Ecke
zu meinem Entsetzen und Schrecken
die zurückgelegte, wirklich allerletzte Bulette.